Praxislösungen für die Digitalisierung in Verkehrsbetrieben

Judith Lichtlein21.05.2019

Bereits zum vieren Mal fand das KOLLOQUIUM für den Öffentlichen Verkehr am 15. und 16. Mai 2019 in Frankfurt statt. Rund 70 Teilnehmer aus Verkehrsverbünden, Verkehrs- und Beratungsunternehmen informierten sich über aktuelle Themen wie Digitalisierung und Datenanalyse im ÖPNV. Im Fokus standen dabei Erfahrungsberichte aus der Praxis, der Blick auf neue Technologien und der Austausch mit Experten und anderen Anwendern.

Den Auftakt der Veranstaltung bestritt Carsten Vogt von der Rheinbahn AG. Er berichtete von seiner anspruchsvollen Erbschaft einer historisch gewachsenen Exceltabelle zur Ermittlung der Leistungsmengen. Die monatliche Berichterstellung daraus erforderte viel Arbeitszeit und Sorgfalt, da viele Sonderregelungen die Komplexität erhöhten. 
Um dieses Erbe los zu werden, entschied er sich für den Einsatz des Business-Intelligence-Tools QlikView, was schnell zu hoher Akzeptanz im Unternehmen führte. Heute ist der Verkehrsbetrieb dadurch in der Lage, Daten besser nachzuvollziehen, Fehler schneller zu finden und diese leichter zu korrigieren. Gleichzeitig sank der Aufwand für die Datenpflege, sodass mehr Zeit für Analysen bleibt. Erkenntnisse daraus will das Unternehmen etwa nutzen, um Unfallbrennpunkte zu identifizieren – und die Verkehrssituation für den ÖPNV so gezielt zu verbessern.

Mehr Effizienz bei Fahrausweiskontrollen

Die Rhein-Main-Verkehrsverbund Servicegesellschaft (RMS) GmbH widmete sich hingegen einem alltäglichen Thema: dem Schwarzfahren. Simone Moschisch, Bereichsleiterin Qualitätsmanagement und Mobilitätsforschung, brachte den Teilnehmern die Vorgehensweise bei der Fahrgeldsicherung näher. Hier ging es um die Frage, wie sich mit modernen Technologien Fahrausweiskontrollen effizienter gestalten lassen. Das Verkehrsunternehmen nutzt hierfür Daten aus den mobilen Endgeräten, mit denen seine Kontrolleure ausgestattet sind. Die Daten aus den Kontrollen werden zeitnah an eine zentrale Datenbank übermittelt und beispielsweise genutzt, um den Erfolg verschiedener Strategien zu vergleichen. Mit Geo-Analysen werden Strecken identifiziert, wo besonders viele Schwarzfahrer unterwegs sind – und schließlich verstärkt Kontrollen durchgeführt. Für die Analysen setzt das Unternehmen auf die BI-Lösung Qlik Sense.

Exakte Abrechnung für Verkehrsverbünde

Eine Herausforderung für regionale Verkehrsverbünde liegt darin, die Einnahmen aus dem Verkauf von Regionaltickets anteilig aufzuteilen. Wie sich dies gerecht umsetzen lässt, zeigte Frank Schäfer, Leiter der Softwareentwicklung bei der Intraplan Consult GmbH. Das Unternehmen entwickelte zusammen mit COSMO CONSULT das System für die Einnahmeaufteilung zum Baden-Württemberg-Tarif. Seit 2018 kann man im gesamten Bundesland mit nur einem Ticket fahren. Die erzielten Einnahmen sind dabei auf 22 verschiedene Unternehmungen zu verteilen. Um dies umzusetzen, waren eine halbe Million unterschiedlicher Verteilungsschlüssel notwendig. Dreh- und Angelpunkt ist auch hier Qlik Sense. Mit dem Analysewerkzeug kann Intraplan auch große Datenmengen (Big Data) schnell verarbeiten und die Datenherkunft jederzeit nachvollziehen. Auswertungen können von den Anwendern im Self-Service-Verfahren einfach selbst erstellt werden.

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Künstliche Intelligenz für Verkehrsbetriebe

Ein besonderes Highlight des Kolloquiums war der Vortrag von Markus Windegger, verantwortlich für Digitalisierung im ÖPNV bei der SASA AG in Bozen. Im Stil einer Gameshow waren die Teilnehmer gefragt, per App einzelne Thesen und Fragen zu beantworten, zu bewerten oder zu liken. Die Ergebnisse dieser Ad-hoc-Umfragen flossen direkt in die Präsentation ein und sorgten für so manche Überraschung. QlikTech stellte in einer weiteren Präsentation die neuste Version der gleichnamigen Analysesoftware vor. Der Fokus lag dabei auf Technologien, die komplexe Entscheidungen unterstützen wie Künstliche Intelligenz (KI) oder Augmented Intelligence (AI).

Kundenworkshop am zweiten Tag

Während der erste Tag des Kolloquiums allen interessierten Verkehrsunternehmen offenstand, war Tag 2 ausschließlich den COSMO CONSULT-Kunden vorbehalten. Im kleineren Kreis tauschten die Teilnehmer Nutzererfahrungen aus, brachten Verbesserungsvorschläge ein und informierten sich über die aktuelle Roadmap Ihrer Software und kommende Technologien. Am Ende profitierten sie vom intensiven Networking, dem direkten Austausch mit den Experten und Consultants von COSMO CONSULT und neuen Impulsen zur Digitalisierung und Datenanalyse in Verkehrsbetrieben.

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